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Tag des offenen Denkmals

Artikel vom 11.09.2020

Erstmals öffnen sich am 13. September 2020 bundesweit die Türen und Tore zahlreicher Denkmale zum Tag des offenen Denkmals digital. Dieses Jahr steht der Aktionstag unter dem Motto “Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.” Aufgrund der aktuellen Situation wird der Tag des offenen Denkmals dieses Jahr virtuell stattfinden. Auch Niederstetten ist mit dabei und öffnet virtuell unter www.tag-des-offenen-denkmals.de die Tore des Jüdischen Friedhof der für die Öffentlichkeit nur nach vorheriger Anmeldung bei der Stadt Niederstetten zugänglich ist

Friedvolle Stille, das ist es was den seltenen Besucher des Jüdischen Friedhof in Niederstetten umgibt und so sollte es auch sein und bleiben. Und doch darf der Jüdische Friedhof und damit die Geschichte und das Leben der jüdischen Gemeinde in Niederstetten  nicht in Vergessenheit geraten.

Der Tag des offenen Denkmals in digital Form bietet die Chance den Friedhof einer breiten Öffentlichkeit ins Gedächtnis zu rufen.   

Eine massive Mauer umgibt die im Gewann Eulhof gelegene letzte Ruhestätte der ehemals in Niederstetten weitestgehend in die kleinstädtische Gesellschaft integrierten jüdischen Gemeinde.

Bereits 1298 sollen Menschen jüdischen Glaubens in der kleinen Vorbachgemeinde gelebt haben. Ende des 17. Jahrhunderts entstand dann die neuzeitliche jüdische Gemeinde die 1737-1741 den Friedhof anlegte. Mitte des 18. Jahrhunderts verfügte die Gemeinde über ein kleines Bethaus und 1824 wurde ein Synagogengebäude errichtet. In den 30iger Jahren des 19. Jahrhundert wurde eine jüdische Elementarschule eröffnet die bis 1933 als Konfessionsschule betrieben wurde.

Für den Handel in Niederstetten, hier lebten Anfang des 20. Jahrhunderts kaum 2000 Menschen, waren die jüdischen Mitbürger die unter anderem mit Vieh, Wein, Eisenwaren und Textilen handelten von erheblicher Bedeutung und trugen zum bescheidenen Wohlstand des zum Oberamt Gerabronn gehörenden kleinen Städtchens bei.

Angehörige jüdische Familien waren bis in die 1930iger Jahre in demokratischen Parteien engagiert, gehörten lokalen Vereinen an und übten öffentliche Ämter aus.

Nach der NS-Machtübernahme verloren die jüdischen Geschäftsleute aufgrund der Boykottaufrufe ihre Lebensgrundlage und auch die jüdische Gemeinde in  Niederstetten sah sich mit dem Terror der NS-Diktatur konfrontiert.

Am Morgen des 25. März 1933 verschleppten SA- und Gestapo-Angehörige die jüdischen Männer in das Rathaus Niederstetten und misshandelten diese im dortigen Sitzungssaal schwer.

In seiner Sonntagspredigt am Morgen danach redete der damalige Niederstettener Stadtpfarrer Hermann Umfrid „Tacheles“. Mit den Worten „…Das war nicht recht! …“ verurteilte er zwar die brutalen Misshandlungen konnte aber weiter, spätere Repressalien nicht verhindern.  Als Folge seines mutigen Handelns sah auch er sich der NS-Willkür ausgesetzt und nahm sich 1934, wohl auch um seine Familie zu schützen, das Leben.

Schweresten Repressalien und körperlichen Übergriffen ausgesetzt flüchteten viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde aus ihrer Heimat und so stammt das jüngste angelegte Grab auf dem Jüdischen Friedhof Niederstetten aus dem Jahr 1939.

1941/1942 wurden die mehr als 40 in Niederstetten verbliebenen Juden deportiert; nur drei von ihnen kehrten nach Kriegsende zurück.

Über das rege jüdische Leben vor der dunklen Zeit des NS-Regime berichtet Bruno Stern, Sohn einer alteingesessenen jüdischen Familie in seinen Buch „Meine Jugenderinnerungen an eine württembergische Kleinstadt und ihre jüdische Gemeinde“ bildhaft. Ihn und seine Familie bewahrte nur die Emigration nach Amerika vor Terror, Deportation und Vernichtung.

Der Jüdische Friedhof Niederstetten ist Teil des Jüdischen Kulturweg Hohenlohe-Tauber der frühere Landjudengemeinden im Gebiet Hohenlohe-Tauber miteinander verbindet und führt seine Besucher zu ehemaligen Synagogen, Friedhöfen, Museen, Ausstellungen und anderen Zeugnissen jüdischer Vergangenheit.