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Radonrisiko

Radon-222 (im Folgenden Radon) ist ein natürliches radioaktives Gas, das im Erdreich aus Uran entsteht und überall auf der Erde vorhanden ist. Es trägt wesentlich zur natürlichen Umweltradioaktivität bei. Radon ist farb-, geruch- und geschmacklos und entweicht aus dem Erdreich, wobei es in der freien Umgebungsluft stark verdünnt wird. Radon kann aber über Risse, Spalte und Mediendurchführungen in Gebäude eindringen und sich in der Luft von Innenräumen, besonders in Kellern und in den unteren Stockwerken, anreichern. Wissenschaftliche Studien belegen, dass das Einatmen von Radon und seinen Zerfallsprodukten über Jahrzehnte hinweg das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken erhöht. Radon in Gebäuden zählt nach dem Rauchen zu den häufigsten Ursachen für Lungenkrebs.

Aus diesem Grund legt das Strahlenschutzgesetz einen Referenzwert von 300 Becquerel Radon pro Kubikmeter Luft in Innenräumen fest. Die Einheit Becquerel steht für die Menge des radioaktiven Gases. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, basierend auf unterschiedlichen Studien zur gesundheitlichen Wirkung von Radon, sofern möglich, die Einhaltung eines Werts von 100 Becquerel je Kubikmeter Raumluft über das Jahresmittel. Der gesetzliche Referenzwert für die über das Jahr gemittelte Radonkonzentration in der Luft an Arbeitsplätzen von 300 Becquerel je Kubikmeter sollte in jedem Fall unterschritten werden.

Es gibt Gebiete, in denen aufgrund der Geologie und der Bodenbeschaffenheit mehr Radon entsteht und an die Erdoberfläche gelangen kann als anderenorts. Das Umweltministerium Baden-Württemberg ist laut Strahlenschutzgesetz verpflichtet, diese Gebiete (sogenannte Radonvorsorgegebiete) zu ermitteln, festzulegen und laufend zu überprüfen. Die Allgemeinverfügung zur Festlegung der Radonvorsorgegebiete in Baden-Württemberg ist am 15.06.2021 in Kraft getreten.

Pflichten in Radonvorsorgegebieten

Egal, wo Sie ein Gebäude mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen errichten, müssen Sie die nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik erforderlichen Maßnahmen zum Feuchteschutz einhalten. Dadurch wird der Eintritt von Radon aus dem Baugrund in der Regel verhindert oder zumindest erheblich erschwert. Bei einem Neubau mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen in einem Radonvorsorgegebiet müssen Sie darüber hinaus weitere Maßnahmen zum Schutz vor Radon durchführen. Diese sind in der Strahlenschutzverordnung aufgeführt.

Der Wert der Radonkonzentration kann nur durch Messungen ermittelt werden. Als Verantwortlicher für Arbeitsplätze im Erdgeschoss und Keller in Gebäuden in Radonvorsorgegebieten sind Sie verpflichtet, Messungen an diesen Arbeitsplätzen durchzuführen. Aus Gründen der Gesundheitsvorsorge und des Gesundheitsschutzes werden freiwillige Messungen an Arbeitsplätzen in Keller- und Erdgeschoss aber auch außerhalb von Radonvorsorgegebieten empfohlen.

Ergibt Ihre Messung, dass der Referenzwert an einem Arbeitsplatz überschritten ist, müssen Sie dort Maßnahmen ergreifen, um die Radonexposition zu verringern. Eine wirksame Sofortmaßnahme ist es, regelmäßig zu lüften. Bei einer höheren Radon-Exposition müssen Sie gegebenenfalls den Keller abdichten oder ein Lüftungssystem installieren.

Für Privatpersonen sieht das Strahlenschutzgesetz keine Messverpflichtung vor. Sie können jedoch jederzeit freiwillig Messungen durchführen.

Vier-Stufen-Konzept für Arbeitsplätze in Radonvorsorgegebieten

  • Stufe 1 - Erstmessung:
    Als Verantwortlicher für Arbeitsplätze in Innenräumen im Erdgeschoss und Keller in Gebäuden in Radonvorsorgegebieten müssen Sie eigenverantwortlich Messungen der Radonkonzentration an diesen Arbeitsplätzen durchführen
    Verändern Sie den bereits gemessenen Arbeitsplatz derart, dass eine höhere Radon-Exposition auftreten kann, müssen Sie die Erstmessung wiederholen.
    Stellen Sie bei dieser Erstmessung fest, dass der Referenzwert von 300 Becquerel je Kubikmeter für die über das Jahr gemittelte Radonkonzentration in der Luft überschritten ist, folgt Stufe 2.
  • Stufe 2- Maßnahmen und Erfolgskontrolle:
    Überschreitet die gemessene, über das Jahr gemittelte Radonkonzentration in der Luft den Referenzwert von 300 Becquerel je Kubikmeter, müssen Sie als Verantwortlicher für die betroffenen Arbeitsplätze dort Maßnahmen zur Reduzierung der Radonkonzentration durchführen. Den Erfolg dieser Maßnahmen müssen Sie durch erneute Messungen überprüfen. Die Messung erfolgt wie in Stufe 1.
    Stellen Sie bei dieser Erfolgskontrolle fest, dass der oben genannte Referenzwert weiterhin überschritten ist, folgt Stufe 3.
    Der Verzicht auf Maßnahmen zur Reduzierung der Radonkonzentration ist nur möglich, wenn diese nicht oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand zu realisieren sind. Auch in diesem Fall folgt Stufe 3.
  • Stufe 3 – Anmeldung und Abschätzung der Exposition
    Ergibt die Erfolgskontrolle eine Überschreitung des oben genannten Referenzwertes, müssen Sie als Verantwortlicher für die betroffenen Arbeitsplätze diese schnellstmöglich bei dem zuständigen Regierungspräsidium anmelden.
    Verzichten Sie auf Maßnahmen zur Reduzierung der Radonkonzentration, um den oben genannten Referenzwert zu unterschreiten, müssen Sie als Verantwortlicher für die betroffenen Arbeitsplätze diese schnellstmöglich unter Angabe der besonderen Gründe bei dem zuständigen Regierungspräsidium anmelden.
    Ist Ihr Unternehmen an mehreren angemeldeten Arbeitsplätzen in fremden Betriebsstätten in eigener Verantwortung beruflich tätig (Dritter), müssen Sie diese Betätigung schnellstmöglich bei dem zuständigen Regierungspräsidium anmelden.
    Innerhalb einer Frist von sechs Monaten nachdem Sie einen Arbeitsplatz oder eine Betätigung an mehreren angemeldeten Arbeitsplätzen angemeldet haben, müssen Sie eine auf den Arbeitsplatz bezogene Abschätzung der zu erwartenden Radon-Exposition durchführen und dem zuständigen Regierungspräsidium schnellstmöglich vorlegen.
    Verändern Sie diesen Arbeitsplatz derart, dass eine höhere Radon-Exposition auftreten kann, müssen Sie die Abschätzung schnellstmöglich wiederholen.
    Ergibt die Abschätzung, dass die effektive Dosis 6 Millisievert im Kalenderjahr überschreiten kann, folgt Stufe 4.
  • Stufe 4 – Beruflicher Strahlenschutz:
    Ergibt die Abschätzung, dass die effektive Dosis 6 Millisievert im Kalenderjahr überschreiten kann, sind Sie verpflichtet, die Anforderungen des beruflichen Strahlenschutzes zu erfüllen.

Freigabevermerk

Stand: 12.07.2021

Verantwortlich: Umweltministerium Baden-Württemberg